Vienna City Marathon 2012 – Rennbericht

11. Marathon - Wien 2012

Bei meinem insgesamt elften Antreten stand für mich mit dem Vienna City Marathon nach Boston und Berlin wieder ein großer City-Marathon am Programm. Die Vorbereitung auf den Marathon war zum Teil sehr gut, vor allem verletzungsfrei und gesund verlaufen. In den drei Monaten vor dem Marathon konnte ich mehr als 1.700 Trainingskilometer zurücklegen. Eine typische Trainingswoche wurde von zwei Tempoläufen montags und mittwochs sowie einer langen Runde am Wochenende bestimmt. Die lange Runde wurde zu Jahresbeginn von bisher 35 km pro Lauf auf 40 km ausgedehnt. In den letzten acht Wochen lief ich die letzten 3 bis 15 Kilometer der langen Runde im Marathonzieltempo, auch Endbeschleunigung genannt. Davon erwartete ich mir vor allem auf den letzten 12 Kilometern des Marathons noch mehr Tempohärte.

Die Wetterbedingungen beim VCM waren ideal: bewölkt bei 9 °C. Nur der immer wieder merklich auffrischende Nordwind verzerrte das Ideal. Am Anfang schob der NO Wind die Läufer auf den ersten Kilometern geradezu in den Prater. In 19:21 min absolvierte ich sehr schnelle erste fünf Kilometer. Beim Verlassen des Praters wurde auf dem Weg Richtung Schwedenplatz entlang des Donaukanals jedoch schnell klar, dass es auf diese Art nicht weitergehen würde: böiger Nordwind machte den Läufern das Leben schwer. Die zweiten fünf Kilometern lief ich in bescheidenen 20:29 min, ein Zeitverlust von mehr als einer Minute. Die nächsten fünf Kilometer führen über die Wienzeile hinaus zum Schloss Schönbrunn, und weiter über die äußere und innere Mariahilfer Straße zur Marathon Halbzeit – ein leicht ansteigender und durch den auf West drehenden Wind besonders anspruchsvoller und an die Substanz gehender Streckenabschnitt. Spätestens hier wurde mir klar, dass meine Zielzeit von 2:45 Std heute schwer zu erreichen sein würde. Mir fehlte es an Frische für einen lockeren Schritt und den geplanten 3:55 min/km Schnitt. Bei Kilometer 15 fühlte ich mich alles andere als gut – mein Darm rebellierte. Jetzt galt es umso mehr ein wohldosiertes Tempo zu treffen. Läuft man in diesem Abschnitt zu schnell, sammelt sich zu viel Laktat in den Muskeln an, was sich auf den letzten zehn Kilometern sehr unangenehm in Form von Krämpfen auswirken kann.

Kilometer 31 - Ernst-Happel-Stadium

Den ersten Halbmarathon absolvierte ich in 1:23:51 Std. In Anbetracht meiner zwischenzeitlichen Probleme war das zufriedenstellend. Durch das Wegfallen der Halbmarathonläufer kehrte mehr Ruhe ins Feld ein und ich konnte mich einer gleichmäßig laufenden Gruppe anschließen. Mein Zustand verbesserte sich und mit einem Gel konnte ich meine Energiereserven aufstocken. Die 40 KM Läufe machten sich positiv bemerkbar. Während meine Gruppe ab Kilometer 23 merklich langsamer wurde, konnte ich das Tempo halten und lief alleine den Donaukanal zurück zum Prater. Der Prater mit der langen, nie enden wollenden Hauptallee ist ein gefürchteter Streckenabschnitt. Man befindet sich auf einem kritischen Abschnitt. Die Beine sind nach 30 Kilometern bereits müde, die Energiedepots geleert. Die lange Gerade scheint sich endlos dahin zu ziehen. Hier zeigt sich, wie gut man auf den vorangegangenen Kilometern das Tempo gewählt hat. War man zu schnell unterwegs, werden die letzten 12 Kilometer zu einer Qual. Auch mir steckten die Strapazen der absolvierten 30 Kilometer schon merklich in den Beinen, aber mein Schritt war noch kräftig genug, um ein Tempo zwischen 3:58 und 4:00 min/km zu gehen. Einzig der Darm machte mir wieder zu schaffen und ein Boxenstopp in den Büschen wurde unausweichlich. Bei Kilometer 35 verlässt man wieder den Prater und läuft auf der Schüttelstraße dem Ziel entgegen. Ich konnte weiterhin mein Tempo gehen, und sammelte Läufer um Läufer ein. Seit Kilometer 15 hatte mich niemand mehr überholt. Das gibt zusätzlich Energie und macht es möglich, noch ein bisschen mehr aus meinem Körper zu holen. Die ca 100 Meter vor mir laufende Gruppe war seit dem Lustschlössel langsam aber kontinuierlich näher gekommen. Kilometer 39 ging sehr gut. Bei Kilometer 40 hatte ich die Gruppe eingeholt. Nachdem ich mich jedoch ein paar Meter von ihnen abgesetzt hatte, wurde es plötzlich schwer. Ich wurde merklich langsamer. Bei Kilometer 41 hatten drei Läufer wieder zu mir aufgeschlossen und einer begann an mir vorbei zu sprinten. Schnell hatte er 15 Meter Abstand zwischen uns gebracht. Dieses Überholmanöver erweckte die Lebensgeister in mir. Ich grub nochmals tief hinein in meinen Körper und fand genügend Kraft, um zu kontern und überholte ihn wieder zurück. Es blieb aber bei einem kurzen Aufflackern meiner Kraft, mein Schritt wurde wieder schwer und meine Motivation sackte in den Keller. Plötzlich ein Schrei hinter mir. Der Läufer, den ich gerade zurück überholt hatte, sprintete in einem Höllentempo, laut schreiend, wieder an mir vorbei. Das weckte meinen Ehrgeiz ein weiteres Mal, ich holte nochmals alles aus meinem Körper und setzte zu einer Endbeschleunigung an. Meiner Tempoerhöhung hatte er nichts mehr entgegen zu setzen und so konnte ich ihn auf den letzten 200 Metern noch um mehr als 10 Sekunden distanzieren. Somit ging sich mit 2:47:48 Stunden noch eine Zeit unter 2:48 aus und mit 1:23:57 Std beinahe ein negativer Split.
Diese Zeit reichte für den 93. Gesamtplatz und Platz 10 in der AK-M40, in der ich drittbester Österreicher wurde.

Eigentlicher Grund für den Start beim VCM war die Teilnahme an den Österreichischen Akademischen Meisterschaften. Im Rahmen dieser Wertung konnte ich den 4. Gesamtrang erreichen, meine Altersklasse gewinnen und mich zum Österreichischen Akademischen Meister in der AK-M40 im Marathon 2012 küren.

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