Once A Runner – Buchtipp für Läufer

Woche zwei meiner achtwöchigen Vorbereitung für den Bregenz Marathon am 2. Oktober. In den letzten zwei Wochen habe ich mehr als 270 Kilometer nach Peter Greif runter gespult, was angesichts der hochsommerlichen Verhältnisse und so manchen beruflichen und privaten Verpflichtungen eine Herausforderung darstellte. Hier war vor allem der Kopf gefragt. Tägliches Training erfordert eine angemessene Einstellung. Es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu denken; den Gedanken “Ja, ich gehe jetzt laufen und freue mich darauf!” in den Kopf zu bekommen und darauf zumindest solange zu fokussieren, bis man in den Laufschuhen steckt und den ersten Kilometer zurück gelegt hat. Ist man einmal unterwegs, dann ist die größte Hürde bereits bewältigt.

Die passende Gehirnnahrung kann dabei von großer Unterstützung sein. Nach der Lektüre von Born To Run begab ich mich schnell auf die Suche nach ähnlicher Lauflust-machender Lektüre und stieß dabei auf einen Klassiker der Laufszene. Mit Beginn einer neuen Marathon-Vorbereitungsphase war dann der richtige Zeitpunkt für die Lektüre gekommen. John L. Parker, Jr.s Roman über einen jungen Mittelstreckenläufer  benötigt zwar etwas Anlaufzeit, wird dann aber bald zu einer unterhaltsamen, interessanten und höchst motivierenden Lektüre für den ambitionierten Läufer.

Once A Runner handelt vom ehrgeizigen Meilen-Läufer Quenton Cassidy und dessen Alltag an einer Universität in Florida. Der Leser bekommt interessante Einblicke in das amerikanische Studentenleben und erfährt, welch hohen Stellenwert der Sport im Allgemeinen an amerikanischen Universitäten einnimmt. In an Nuancen reichen Details beschreibt der Autor das Läuferleben. Der Trainingsalltag mit all seinen Mühen und Beschwerlichkeiten wird sowohl vom physischen als auch mentalen Aspekt beleuchtet. Sehr interessant dabei sind die Einblicke in die motivationalen Strategien für das tägliche Doppeltraining. Jedes Training ist mit einem gewissen Maß an Überwindung und Schmerz verbunden, belohnt aber nach erfolgreicher Bewältigung mit Endorphinausschüttung und Superkompensationseffekt. Quentons Vorbereitung für einen großen Wettkampf, dem Höhepunkt des Buches, wiederum zeigt die Struktur, Herausforderungen und wichtigen Details einer gezielten Wettkampfsvorbereitung.

Besonders motivierend, spannend und einsichtsvoll sind die detailreichen Schilderungen einzelner Rennen. Einblicke in die wichtige Rolle der Psyche bei solchen Rennen werden ebenso gewährt wie Hinweise auf die Renntaktik. Man erfährt, dass auf der Mitteldistanz ein Rennen am Beginn höchstens verloren aber niemals gewonnen werden kann. Sehr plausibel wird beschrieben, wie entscheidend das letzte Viertel des Rennens für den Ausgang ist und hier besonders das letzte Viertel des letzen Viertels. Diese renntaktischen Einblicke lassen sich ohne weiteres auch auf längere Distanzen umlegen und sind somit eine wertvolle Quelle für die Gestaltung der eigenen Renntaktik bei Marathons.

Während dieser Roman seinem impliziten literarischen Anspruch nicht gerecht wird und zuzeiten in scheinbar belanglose Nebenepisoden abschweift, zeichnet sich Once A Runner durch seine für jeden Läufer sehr gut nachvollziehbaren Schilderungen über Training, Wettkampf und Mentalität eines Läufer aus.  Vor allem wenn Parker über Training und Wettkampf schreibt, wenn der Leser Einblick in die Gedankenwelt Quentins bekommt, wird ersichtlich, dass der Autor selbst erfahrener und erfolgreicher Läufer war. Schließlich versteht er es, den Roman mit einem wahren Höhepunkt zu schließen, der jedes Läuferherz höher schlagen lässt und diesen Roman somit zu einer kraftvollen Motivations- und Informationsquelle für alle Läufer macht. Schade nur, dass es dieses Buch derzeit nur im englischen Original gibt.

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