Vor meinem 10. Marathon

Als ich 2006 mit Sylvia nach Graz zog, war mein großes Ziel, einmal einen Marathon zu laufen. Am Sonntag, 2. Oktober 2011, werde ich, wenn nichts mehr dazwischen kommt, meinen 10. Marathon laufen. Nach meinem krampfgeprägten Debüt im Frühjahr 2007 in Wien in 3 Stunden 16 Minuten 51 Sekunden, konnte ich meine Marathonbestleistung in diesem Frühjahr auf 2 Stunden 46 Minuten und 32 Sekunden verbessern. Diese Verbesserung von einer halben Stunde ist Resultat unzähliger Trainingskilometer und war alles andere als eine kontinuierliche Vorwärtsentwicklung. Scheinbare Rückschritte und Verletzungen stellten sich im Nachhinein als wichtige Schritte für eine neue Bestzeit heraus. Ich denke, wer in jedem Marathon eine Bestzeit laufen möchte, läuft nicht viele Marathons. Es geht darum die Vorbereitung und das Rennen in einem größeren Zusammenhang als Voraussetzung für zukünftige Spitzenleistungen zu sehen. So ist es auch leichter in schwierigen Phasen motiviert zu bleiben.

Wie im Leben so geht es auch beim Laufen mehr um die Erfahrung als um das Wissen. Wissen tun wir so viel, aber das ist uns zu wenig, wir wollen es auch erfahren. Seit einem Jahr trainiere ich nach den Plänen von Peter Greif. Nachdem der Einstieg in das harte Greif Training mit zwei Bestzeiten (2:48:32 Std im Oktober 2010 beim LCC Herbstmarathon und 2:48:30 Std im April 2011 beim Linz Marathon) belohnt wurde, wollte ich diesen Trend auch für die Österreichischen Marathonmeisterschaften in Bregenz fortsetzen und setzte mir eine Zeit nahe der 2:40 Stunden-Grenze zum Ziel. Gleichzeitig schraubte ich mein Trainingspensum nochmals um 10 bis 15 Prozent in die Höhe. Das gesamte Sommertraining wurde somit zu einem ständigen Flirt mit meinen Grenzen. Vor allem die hohen Temperaturen Ende August und im September machten mein Training zu einer steten Gradwanderung. Obwohl ich mir dessen bewusst zu sein schien, setzte Ende August eine wohl auf die einsetzende Müdigkeit zurückzuführende Nachlässigkeit in der Regeneration und Ernährung ein.

Der Sprung auf eine neue Intensitätsebene brachte neben vorher unbekannten Anstrengungen auch andere neue Nebenwirkungen hervor, mit denen ich erst lernen musste, umzugehen. Die kritische Phase trat mit dem Stainzer Halbmarathon, am 2. September 2011, ein. Bei 30 °C und mit 150 Höhenmeter musste ich dort an meine Grenzen gehen und erreichte dort auch eine durchaus passable Endzeit von knapp unter 1:20 Stunden mit einem dritten Rang in meiner Altersgruppe. Nach einem Rennen werden die Konsequenzen der großen Anstrengung erst an den nächsten Tagen – meistens am übernächsten – so richtig spürbar. Der Greif Plan sah aber bereits am Mittwoch eine Neuauflage des Halbmarathons vor, 18 km in 3:49 min/km, und ließ somit nur wenig Zeit zur Regeneration. An diesem Mittwoch stiegen die Temperaturen wieder an die 30 °C und aufgrund von terminlichen Verpflichtungen war ich genötigt, bereits um 16:15 Uhr auf die Laufbahn zu gehen. Der Tempolauf wurde zum Fiasko. Ich musste nach nur 10 KM völlig erschöpft aufgeben. Diese Einheit hätte ich mit einem stärkeren Fokus auf meinen Körper wohl gestrichen, aber das Gebot der Stunde war die strikte Einhaltung des Greif-Planes. Trotz der nachträglichen Konsequenzen für meine Marathonvorbereitung, denke ich, dass diese Einheit eine wichtige Erfahrung für mich war. So wie es nichts bringt, planlos zu trainieren, bringt es nichts die Planeinhaltung zu erzwingen. Mein Körper, wenn ich auf ihn höre, sagt mir genau, was ich laufen soll. Der Plan sollte ein Leitfaden sein, der Körper die Dosis bestimmen. Das schreib ich mir jedenfalls groß ins Stammbuch.

Nachdem ich in Folge unter Erschöpfungszuständen zu leiden begann, tageweise Einheiten auslassen musste, startete ich ein intensives Regenerationsprogramm mit Massagen, unter anderem bei Leo Winter, Akupunktur, bei Dr Peter Sattler – einfach genial -, und einem Besuch bei einer Chinesischen Medizinerin, Dr. Sui. Letztere diagnostizierte einen Infekt und damit verbundene Entzündungsherde in meinem Körper, welche der Grund für den hohen Schweißverlust und die Erschöpfungszustände waren. Ich bekam eine fructosefreie Diät verschrieben und darf einen Tee aus einem Kräutergemisch trinken. Ziel ist es die Hitze auszuleiten und die Entzündungsherde zu löschen.

Mein Körpergefühl hat sich in der Woche vor dem Marathon sehr gebessert, die Trainingseinheiten sind wieder zufriedenstellend verlaufen und ich hatte wieder Lust und Laune auf’s Laufen bekommen. Mein Körper gibt  wieder grünes Licht zu geben. Großartig unterstützt hat mich in dieser Zeit auch Sylvia mit Cranio-Therapien, Ernährungsberatung, großartigen Mahlzeiten und vor allem viel Geduld! Ein großes Dankeschön dafür!

Meine Ziele für den Bregenz Marathon habe ich längst los gelassen und gehe ziemlich gelassen in diesen Marathon. Ich laufe im Team mit Vinzenz Kumpusch und Christian Kleineberg und es ist vor allem dieser Teamgedanke, der mir den Start ermöglicht. Wäre ich alleine am Start gewesen, ich hätte wohl abgesagt.

Dr Peter Sattler sagte mir: “Es gibt kein Absagen, natürlich läufst Du den Marathon.” Damit hat er Recht, denn dieser Marathon kann ein wichtiger Schritt sein in Richtung meines nächsten großen Ziels. Und eine großartige Erfahrung werden diese 42.195 Meter in jedem Falle werden – meine zehnten!

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