Schilcherlauf 2011 – Schilcherhalbe


Nach drei harten Vorbereitungswochen und rund 620 Laufkilometern im Monat August stand als Test für den Marathon in Bregenz Halbmarathon beim Schilcherlauf in Stainz am 03. September 2011 am Trainingsprogramm. Als Abschluss der Regenerationswoche sollte dieser Lauf einen Anhaltspunkt über die gegenwärtige Form und den Trainingsfortschritt geben. Dabei wird in der Trainingswoche vor dem Halbmarathon die Trainingsintensität deutlich reduziert. Während ich in den drei vorangegangenen Wochen im Schnitt 145 Kilometer gelaufen war, kam ich in der Entlastungswoche inklusive Schilcher-Halbmarathon auf knappe 100 Kilometer. Montags und Mittwochs wird mit Intervallläufen das geplante Halbmarathon-Tempo geübt, Donnerstag und Freitag stehen nur noch ruhige und kurze Regenerationsläufe am Programm. Samstag früh vor dem Wettkampf werden noch zwei mittelschnelle Kilometer gelaufen, um den Muskeltonus zu heben und den Organismus auf die nachmittägliche Herausforderung vorzubereiten. Diese Vorbereitungsroutine garantiert im Normalfall super schnelle Beine. Bei Normalbedingungen ist auch eine persönliche Bestzeitkeine Seltenheit.

Die Vorbereitung bis zum Schilcherlauf war sehr gut verlaufen, obwohl das Lauftraining ob des heißen Altweibersommers Ende August und Anfang September eine größere Herausforderung war als sonst. Auch am Tag des Schilcherlaufes gab es Hochsommerwetter – strahlender Sonnenschein und 30 °C. Für mich sind das alles andere als Idealbedingungen. Immerhin konnte ich meinen Körper im Laufe des Sommers gut an die hohen Temperaturen gewöhnen. Mit regelmäßigen, eiskalten Duschen war ich mittlerweile in der Lage, auch Tempoläufe bei Temperaturen über 20 °C zu absolvieren. Der Schilcherhalbe, das war mir beim Blick auf die Wetterkarten klar, würde ein richtiger Test meiner Hitzebeständigkeit werden. Mit einer eiskalten mehrminütigen Dusche vor der Abfahrt nach Stainz kühlte ich meinen Körper noch einmal so richtig “runter”. Gegessen hatte ich nur ein ordentliches Frühstück, um sicher zu stellen, dass ich meinen Organismus so wenig wie möglich mit zusätzlichen Aufgaben belaste. Die notwendigen Kohlehydrate holte ich mir mit Getränken und einem Gel.

Zusammen mit Vinz Kumpusch und Christian Kleineberg aus unserem Stefflhof Running Team lief ich mich ein paar Schritte ein und bemerkte gleich, dass die erhoffte Spitzigkeit da war. Das machte mich ob der heißen Temperaturen und der 40 Höhenmeter pro 5,25 Kilometer Runde zuversichtlich. Noch dazu erklärte sich Vinz’ Bruder Lorenz bereit, uns mit Getränken zu versorgen. Zusätzlich zu ein paar Flaschen Enervit reichte ich Lorenz tiefgekühltes Leitungswasser in Flaschen zur Abkühlung.

Der Start zu dieser toll organisierten Laufveranstaltung mit langer Tradition war 17:00 Uhr am Hauptplatz Stainz vor einer großen Zuschauerkulisse. Die Stimmung war beeindruckend und jedesmal auf meinen vier Runden über den Hauptplatz lief es mir kalt über den Rücken – ein geniales Gefühl. Im letzten Moment gesellten sich noch die kenianischen Laufprofis von der Hebalm zum Starterfeld, ein Umstand der nicht nur in unserem Team immer kritischer gesehen wird. Wenn schon Profis am Start sind, dann sollten sie in einer eigenen Klasse gewertet werden.


Wie üblich war das Tempo auf den ersten Kilometern nach dem Startschuss sehr hoch. Aufgrund der schwierigen Strecke und der hohen Temperaturen hatte ich mir vorgenommen, nicht zu schnell zu beginnen, aber selbst mit diesem Vorhaben legte ich den ersten Kilometer in 3:30 Minuten zurück, acht Sekunden schneller als mein geplantes Zieltempo. Der über 2,5 Kilometer führende Anstieg bereitete auf der ersten von vier Runden natürlich noch keinerlei Probleme. Oben angekommen geht es ca 500 Meter auf kupiertem Gelände dahin, um nach einer Spitzkehre abschüssig zurück ins Ortszentrum zu führen. So schwer ich mir auf Bergaufpassagen tue, so sehr liegen mir abschüssige Streckenteile. Nach drei Kilometer überholte ich einige Läufer, darunter auch ambitionierte Läufer, die nur den Viertelmarathon liefen, und schloss zur führenden Dame aus Kenia auf. Einige Schritte vor ihr komplettierte ich die ersten 5,25 Kilometern in 19:11 Minuten. Ich fühlte mich sehr gut und nahm motiviert den zweiten Anstieg in Angriff. Dort verlor ich wieder kontinuierlich auf die Kenianerin, um meinen Rückstand auf den letzten 2 Bergabkilometern wieder aufzuholen. Beim dritten Anstieg kam dann leider der Einbruch. Ich musste der Hitze und dem etwas zu hohen Tempo Tribut zahlen und verlor den Anschluss an die schnelle Dame. Oben angekommen merkte ich, dass ich ziemlich angeschlagen war. Während ich Runde zwei noch in annehmbaren 19:50 Minuten gelaufen war, fiel ich auf der dritten Runde um weitere 30 Sekunden zurück.

Die vierte Runde sollte kein Vergnügen werden. Am Anfang des Anstiegs verlor ich einen Platz – alles andere als motivationsfördern. Immerhin versuchte ich, an dem Läufer dran zu bleiben und kam so besser über den Anstieg als erwartet. Auf den letzten zweieinhalb Kilometern ging es darum, eine Zeit unter 1:20 Stunden ins Ziel zu bringen und meinen Platz zu halten. Ich wusste, dass es knapp werden würde und konnte schließlich auf den letzten 150 Metern meinen Körper doch zu einem Schlusssprint überreden. In 1:19:56 Stunden und als Gesamtzwölfter lief ich über die Ziellinie, anfangs ziemlich enttäuscht über meine Zeit. Ich war um mehr als 120 Sekunden über meiner Zielzeit geblieben. Die Höhenmeter des Kurses und die Temperaturen trugen aber dann doch einiges zur Relativierung meiner Enttäuschung bei, die dann vollends verflogen war, als ich als 3. der Altersklasse M-40 überraschend zur Siegerehrung gerufen wurde.

Meinen zwei Lauffreunden war es im Vergleich zu mir besser ergangen. Vinzenz Kumpusch lief in 1:13:01 Stunden eine neue persönliche Bestzeit, gewann die AK M-30 und war bester Nicht-Kenianer. Christian Kleineberg lief ebenfalls ein starkes Rennen und wurde mit 1:16:10 Stunden Siebenter in der Gesamtwertung und Vierter in der AK M-30.

Für die Österreichischen Staatsmeisterschaften in Bregenz stimmen diese Ergebnisse durchaus positiv. Entscheidend in den nächsten Tagen und Wochen wird es sein, mit den hohen Temperaturen angemessen umzugehen. In der Woche nach dem Schilcherlauf hat sich gezeigt, dass vorallem die Tempoeinheiten bei hohen Temperaturen eine Gradwanderung sind, wo der Schuss leicht nach hinten los gehen kann.

Hier geht es zur Ergebnisliste …

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